Zentrum für Querschnittgelähmte

Gemeinsam eine Zukunft aufbauen

In unserem Zentrum für Querschnittgelähmte und unfallchirurgische Frührehabilitation werden Patienten:innen nach schweren Verletzungen, Erkrankungen der Wirbelsäule und des Bewegungsapparates behandelt. Die Integration in das gewohnte Umfeld ist oberstes Ziel unserer Bemühungen. Die Situation von Querschnittgelähmten wird durch das hohe Maß ihrer körperlichen Behinderung bei meist unverändert gebliebenen intellektuellen Fähigkeiten bestimmt. Trotz teilweise erheblicher körperlicher Funktionseinschränkungen haben unsere Patienten:innen einen großen Leistungswillen und hohe Motivation zur sozialen und ggf. beruflichen Wiedereingliederung. Dies gilt es gezielt zu fördern. Hierauf können wir unser Rehabilitationsprogramm sehr gut aufbauen.

Durch umfassende, interdisziplinäre rehabilitative Unterstützung möchten wir die Patienten:innen in die Lage versetzen, ihr optimales persönliches, soziales und ggf. berufliches Leistungsvermögen neu zu erlangen.

Behandlungskonzept

Das Behandlungsteam des Zentrums für Querschnittgelähmte besteht aus Mitarbeitern:innen unterschiedlicher Berufsgruppen mit einer differenzierten Qualifizierung, die besondere Erfahrungen in der Versorgung von Querschnittgelähmten und Polytraumatisierten gesammelt haben. Dazu gehören:

  • Fachärzte:innen für Orthopädie und Unfallchirurgie, Physikalische und rehabilitative Medizin, Allgemeinmedizin, Neurologie
  • z. T. mit Zusatzbezeichnung Sozialmedizin
  • Pflegefachkräfte mit speziellen Qualifikationen
  • Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten:innen mit speziellen Qualifikationen
  • Mitarbeiter:innen der Physikalischen Therapie
  • Kliniksozialdienst
  • Psychologen:innen
  • Orthopädie- und Rehabilitationstechniker:innen

Für Beratungen und Mitbehandlung stehen Neuro-Urologie und HNO-Heilkunde/Phoniatrie sowie moderne bildgebende und elektrophysiologische Diagnostikmöglichkeiten im Haus zur Verfügung. Zum Universitätsklinikum Dresden Carl Gustav Carus bestehen bei Notwendigkeit von Operationen enge Kooperationsbeziehungen (z. B. Implantation von Baclofen-Pumpen).

Phasen des Behandlungskonzeptes

Bereits zur Fortsetzung der intensivmedizinischen Behandlung (z. B. bei Beatmungspflichtigkeit) können die Patienten:innen in unser Fachkrankenhaus aufgenommen werden. Von diesem raschen Beginn der frührehabilitativen Behandlungen profitieren die Schwerstbetroffenen auch auf den Stationen der weiterführenden Rehabilitation.

In der Stabilisierungsphase sind Patienten:innen noch sehr unselbstständig und komplikationsgefährdet. Durch die neue ungewohnte Lebensweise im Rollstuhl, mit Hilfsmitteln, mit den neuen Bewegungs- und Verhaltensmustern und den Reaktionen der Umwelt kommt es oft zu Anpassungsschwierigkeiten.

Ein Teil der Querschnittgelähmten erreicht eine völlige Selbstständigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens. Diese Gruppe absolviert nun eine spezielle Trainingsphase, die bis zur Simulation und Erprobung einer normalen Alltags-, Umwelt- und Berufsbelastung führt.

Auf Grund von lebenslang erhöhten Komplikationsrisiken durch Konditions- und Funktionsverlust und nach neu aufgetretenen Erkrankungen kann die erreichte Selbständigkeit wieder verloren gehen. Rückschritte können jederzeit auftreten. Deshalb sind regelmäßige stationäre Wiederholungsrehabilitationen (einschließlich neuro-urologischem Check-up, Überprüfung und ggf. Neuverordnung von Hilfsmitteln) zum Erhalt und zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes sinnvoll und notwendig. 

  • allgemeiner Konditions- und Funktionsverlust
  • die Check-up-Untersuchungen, insbesondere urologische Check-ups
  • Überlastungssyndrome
  • Schmerzen
  • Spastik und Kontrakturen
  • pulmologische Komplikationen
  • Dekubitalgeschwüre
  • Hilfsmittelüberprüfungen

Therapeutische Angebote

Mit Hilfe einer hochmodernen medizintechnischen Ausstattung erkennen und behandeln erfahrene Neuro-Urologen:innen die Schädigungsmuster des Harntraktes. Endoskopische operative Eingriffe sind während der Rehabilitation im Hause möglich; für größere operative Eingriffe wurden Kooperationsbeziehungen zu spezialisierten urologischen Kliniken aufgebaut.

Mittels moderner elektrophysiologischer Verfahren ist es heute möglich, bereits frühzeitig eine Prognose bezüglich der Rückbildung der Lähmungserscheinungen zu stellen. Im modern ausgestatteten Diagnostikbereich werden alle Verfahren der so genannten evozierten Potenziale durchgeführt. Biofeedback und funktionelle Elektrostimulation kommen als therapeutische Methoden bei Bedarf zur Anwendung.

Im Rahmen einer Querschnittlähmung kann es nicht selten zu einer störenden Spastik kommen. 

Neben physikalischen und medikamentösen Maßnahmen ist es bei Erfordernis möglich, die Indikation zu einer speziellen Pumpenversorgung (Baclofen-Pumpe) zu testen. Patienten:innen, denen eine solche Pumpe implantiert wurde, können fachspezifisch betreut werden (Pumpeneinstellung, Pumpenfüllung).

Bei einem Teil der Rückenmarkgeschädigten treten Probleme durch Schmerzsyndrome auf. Diese Patienten:innen werden von speziell qualifizierten Mitarbeitern:innen betreut. 

Ziel der Querschnittrehabilitation ist es, Komplikationen wie Druckgeschwüre zu vermeiden.

An einem speziell eingerichteten Computer-Druckmessplatz kann die Druckbelastung im Rollstuhl gemessen werden, um Bereiche mit einer erhöhten Druckbelastung der Sitzfläche zu detektieren. Dadurch können gezielte Maßnahmen (z. B. Versorgung mit Spezialsitzkissen) erfolgen.

Die effektive Behandlung eines Dekubitus erfordert pathophysiologisches Verständnis und Erfahrungen in der Wundversorgung bei Ärzten:innen, Pflegern:innen und Physiotherapeuten:innen. Deshalb erfolgt bei Vorliegen eines Dekubitus oder einer Wundheilungsstörung eine enge Zusammenarbeit mit dem Zentrum für frührehabilitative und rehabilitative Wundtherapie (ZFRW).  

Trotz umfassender Pflegeabhängigkeit ermöglicht heute die moderne Medizintechnik und -elektronik den Patienten:innen mit hoher Tetraplegie nach ergotherapeutischem Training eine Kommunikation, Mobilität und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Patienten:innen mit Tetraplegie können in unserem Fach- und Privatkrankenhaus mit dem Zentrum für Langzeitbeatmung aufgenommen und konsiliarisch durch die Fachabteilung mit betreut werden.

Unsere Patienten:innen werden für Verrichtungen des täglichen Lebens (ATL = Aktivitäten des täglichen Lebens) vorbereitet und intensiv geschult, z. B. Transfer ins Bett, Nahrungsaufnahme, Körperhygiene, An- und Ausziehen, Harnblasen- und Darmentleerung. 

Dies erfolgt sowohl im Rahmen der Physio- und Ergotherapie, der aktivierenden Pflege als auch durch zahlreiche Seminare. 

Wesentliche Aufgaben der Sozialarbeiter:innen und Psychologen:innen liegen in der Information und Beratung der Patienten:innen und deren Angehörigen, aber auch in der Vermittlung psychosozialer Kompetenzen für alle Mitarbeiter:innen des Querschnittgelähmten-Zentrums.

Durch die Abteilung Klinische Psychologie erhalten die Patienten:innen Einzelgespräche zur Krankheitsverarbeitung und können Entspannungstechniken erlernen.

Wenn gewünscht, können auch Mitarbeiter:innen der Klinikseelsorge in die Betreuung einbezogen werden.

Der Fortschritt in der Kraftfahrzeugtechnik lässt heute auch die Teilnahme von hochgradig funktionsgeminderten Menschen am Straßenverkehr zu. Im Querschnittgelähmten-Zentrum steht ein Übungs-PKW zur Verfügung. Hier können der Transfer vom Rollstuhl in das Auto, das Verstauen des Rollstuhls und die Bedienung der Sonderausstattung geübt werden.

In Kooperation mit spezialisierten Fahrschulen können Umbauten (auch ggf. mit Fahrstunden) getestet werden.

Das MedZAB bietet die Möglichkeit, berufsbezogene Fragestellungen im Umfeld gesundheitlicher Beeinträchtigungen vollständig und umfassend zu beantworten. Dies beinhaltet die Prüfung der Notwendigkeit von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, die differenzierte Beurteilungen der somatischen und kognitiven Leistungsfähigkeit sowie eine sozialmedizinische Leistungsbeurteilung.

Ärztliche Leitung

Dr. med. Hans-Jörg Schubert

Chefarzt
Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Facharzt für Sozialmedizin, Physikalische Therapie und Balneologie

+49 35206 6-1052

Dr. med. Kerstin Anders

Oberärztin
Fachärztin für Allgemeinmedizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Sozialmedizin

+49 35206 6-2031

0800 57347242
(gebührenfrei)