Ziele des wissenschaftlichen Instituts der KLINIK BAVARIA Kreischa sind die interdisziplinäre medizinische und therapeutische Forschung in der post-akuten Behandlung und in der neurologischen Rehabilitation sowie die wissenschaftliche Kooperation mit Partnern.

Aufgaben des wissenschaftlichen Instituts sind die Durchführung und Unterstützung von wissenschaftlichen Projekten der KLINIK BAVARIA Kreischa in verschiedenen Fachbereichen. Ebenfalls werden hauseigene medizinische Doktoranden:innen wissenschaftlich und klinisch in medizinischen Doktorandenkolloquium beraten. 

Darüber hinaus wird in wissenschaftlichen Projekten insbesondere mit der Medizinischen Fakultät der TU Dresden sowohl in Forschung als auch Lehre (z. B. Lehrstuhl Gesundheitswissenschaften Public Health) kooperiert.
 

Ausgewählte aktuelle wissenschaftliche Projekte

Comprehensive Sepsis Center (CSC)

„Einfluss von fach- und sektorenübergreifenden Behandlungspfaden auf die Letalität und Lebensqualität von Patienten:innen mit Sepsis und Sepsisfolgen“

Ziel dieser Untersuchung ist es, durch konsequente Überprüfung des entwickelten Behandlungspfades seine Durchführbarkeit zu testen und durch die prospektive Erhebung aller im Patientenpfad beschriebenen Diagnose-, Behandlungs- und Nachsorgeprozesse und Behandlungsergebnisse folgende klinischen Endpunkte zu erfassen:

  • Sterblichkeit bzw. Lebensqualität nach einem Jahr (Primäre klinische Endpunkte)
  • Stationäre Pflegebedürftigkeit und Intensivpflege, Mobilität, Kognition und psychische Verfassung nach einem Jahr (Sekundäre klinische Endpunkte)

Neben den klinischen Endpunkten werden umfassend Parameter der Prozessqualität, wie Dauer der Beatmung, Dauer der Tracheal-Kanülen-Versorgung, Dauer der Nierenersatztherapie, Ausmaß der Wundversorgung, Einhaltung der vorausschauenden Behandlungsplanung ect. erfasst.
Zudem sollen innerhalb der Kohorte die erfassten klinischen Endpunkte (Sterblichkeit bzw. Lebensqualität sowie stationäre Pflegebedürftigkeit, Mobilität, Kognition und psychische Verfassung nach einem Jahr) hinsichtlich Häufigkeit und Ausmaß untersucht und anhand der umfassend erfassten Begleitparameter unabhängige Risikoprädiktoren für diese identifiziert werden. Diese Erkenntnisse sollen wiederum eine Grundlage für Hypothesengenerierung und exaktere Fallzahlplanung für künftige, prospektive Studien darstellen.

Prof. Dr. med. Thea Koch, Prof. Dr. med. Peter Spieth, Prof. Dr. med. Maximilian Ragaller
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie,  Fetscherstraße 74, 01307 Dresden

Dr. med. Ulf Bodechtel und  Dr. med. Andreas Bauer 
KLINIK BAVARIA Kreischa, Zentrum für fachübergreifende Intensivmedizin und Weaning 

Prof. Dr. Jan Mehrholz
KLINIK BAVARIA Kreischa, Wissenschaftliches Institut für Rehabilitationsforschung


GymNAST

Rehabilitation nach Critical–Illness Polyneuropathie und -Myopathie. Klinische Prädiktoren und Verlauf

Im Rahmen der GymNAST-Studie (General Weakness Syndrome Therapy-Studie) wurden alle Patienten:innen mit einem auf der ITS erworbenen Schwächesyndrom (MRC Summenscore <48 Punkte), nachgewiesener CIP oder CIM, im Alter zwischen 18 und 85 Jahren und RASS Sedierungsgrad -1 bis 2 eingeschlossen. Untersucht wurden aller zwei Wochen die Muskelkraft, Alltagsfunktionen (u.a. Barthel, Functional Status Score for the ICU (FSS-ICU) und Physical Function outcome measure (PFIT), 6 Minuten Gehtest) und Kognition (MoCA und Uhrentest). Das Erreichen der Gehfähigkeit (definiert als FAC≥3) wurde täglich protokolliert. Zur klinischen Prädiktion der Gehfähigkeit wurden multivariate proportionale Hazardmodelle nach Cox (in SAS 9.2) genutzt. Hazardratios (HR) wurden im multivariaten Modell (Kriterien slentry p=0.3; slstay p=0.2) errechnet bzw. gebildet.

Quelle:

Thomas S, Mehrholz J. Health-related quality of life, participation, and physical and cognitive function of patients with intensive care unit-acquired muscle weakness 1 year after rehabilitation in Germany: the GymNAST cohort study. BMJ Open. 2018 Jul 13;8(7):e020163. doi: 10.1136/bmjopen-2017-020163. PubMed PMID: 30007926; PubMed Central PMCID: PMC6082458.

Mehrholz J, Mückel S, Oehmichen F, Pohl M. First results about recovery of walking function in patients with intensive care unit-acquired muscle weakness from the General Weakness Syndrome Therapy (GymNAST) cohort study. BMJ Open. 2015 Dec 23;5(12):e008828. doi: 10.1136/bmjopen-2015-008828. PubMed PMID: 26700274; PubMed Central PMCID: PMC4691758.

Mehrholz J, Mückel S, Oehmichen F, Pohl M. The General Weakness Syndrom Therapy (GymNAST) study: protocol for a cohort study on recovery on walkin function. BMJ Open. 2014 Oct 24;4(10):e006168. doi: 10.1136/bmjopen-2014-006168.  PubMed PMID: 25344484; PubMed Central PMCID: PMC4212181.

Thomas S, Sauter W, Starrost U, Pohl M, Mehrholz J. Regaining water swallowin function in the rehabilitation of critically ill patients with intensive-care-unit acquired muscle weakness. Disabil Rehabil. 2018 Jun;40(13):1494-1500. doi: 10.1080/09638288.2017.1300341. Epub 2017 Mar 21 PubMed PMID: 28325097.

Thomas S, Sauter W, Starrost U, Pohl M, Mehrholz J. Time to decannulation and  associated risk factors in the postacute rehabilitation of critically ill patients with intensive care unit-acquired weakness: a cohort study. Eur J Phys Rehabil Med. 2017 Aug;53(4):501-507. doi: 10.23736/S1973-9087.16.04400-2. Epub 2016 Sep 27. PubMed PMID: 27676204.

Thomas S, Burridge JH, Pohl M, Oehmichen F, Mehrholz J. Recovery of sit-to-stand function in patients with intensive-care-unit-acquired muscle weakness: Results from the General Weakness Syndrome Therapy cohort study. J Rehabil Med. 2016 Oct 12;48(9):793-798. doi: 10.2340/16501977-2135. PubMed PMID:  27670853.  


FITonICU

Ziel von FITonICU ist es, die Auswirkungen eines zusätzlichen Physiotherapieprogramms mit systematischer Mobilisierung mit zusätzlichem Bett-Fahrradergometer auf das Gehen und andere Aktivitäten des täglichen Lebens zu vergleichen.

Wir werden in unserem postakuten Krankenhaus eine prospektive Untersuchung (verblindete RCT) mit Patienten:innen mit ICUAW mit einer definierten Diagnose von CIM und/oder CIP durchführen. Nach Zufallsprinzip werden die Patienten:innen in eine von zwei Gruppen eingeteilt. Eine Interventionsgruppe erhält neben der Standardbehandlung auf der Intensivstation eine Physiotherapie mit systematisch erhöhtem Mobilisierungsgrad (fünfmal pro Woche, über 2 Wochen; 20 Minuten pro Sitzung; mit insgesamt 10 zusätzlichen Sitzungen). Die andere Interventionsgruppe erhält zusätzlich zur Standardbehandlung auf der Intensivstation Bett-Fahrradergometer (gleiche Anzahl, Häufigkeit und Behandlungszeit wie die Interventionsgruppe). Die Standardbehandlung auf der Intensivstation umfasst Gleichgewichtsübungen, Stretching, Positionierung und Stehtraining sowie Transferübungen zum Aufstehen, Kräftigungsübungen (im und aus dem Bett) sowie Stehübungen. Primäre Endpunkte sind die Gehfähigkeit (definiert als Functional Ambulation Category (FAC) von ≥3) und die Summe des Functional Status Score for the Intensive Care Unit (FSS-ICU) (Bereich 0-22 Punkte), die von einem verblindeten Tester unmittelbar nach 2 Wochen zusätzlicher Therapie bewertet werden. Zu den sekundären Ergebnissen gehören die Bewertung der Erholung der Aufstehfunktion, die Muskelkraft (Medical Research Council, MRC) und die Griffkraft, die Physical Function for the Intensive Care Unit Test-Scored (PFIT-S), der Lebensqualität EuroQol 5-Dimensions (EQ-5D) und der von einem verblindeten Tester bewertete Reintegration to Normal Living Index (RNL-Index). Wir werden primäre und sekundäre Ergebnisse mit verblindeten Assessoren zu Studienbeginn, unmittelbar nach 2 Wochen zusätzlicher Therapi, nach 3 Wochen und 6 Monaten sowie nach 12 Monaten, nach Beendigung der zusätzlichen Therapieintervention, messen. Basierend auf unserer Stichprobenermittlung werden in den nächsten Jahren 108 Patienten:innen auf unserer postakuten Intensivstation rekrutiert.

Dies wird die erste RCT sein, welche die Auswirkungen von zwei spezifischen Rehabilitationsmaßnahmen für Patienten:innen mit auf Intensivstation erworbenen Schwächesyndrom vergleicht, um das Gehen und andere Aktivitäten des täglichen Lebens zu verbessern. 

Wir haben die Studie am 6. April 2016, vor Einschluss des bzw. der ersten Patienten:in in die Studie, beim Deutschen Register für Klinische Studien mit der Kennung DRKS00010269 registriert.

Quelle: 
Mehrholz J, Thomas S, Burridge JH, Schmidt A, Scheffler B, Schellin R, Rückriem S, Meißner D, Mehrholz K, Sauter W, Bodechtel U, Elsner B. Fitness and mobility training in patients with Intensive Care Unit-acquired muscle weakness (FITonICU): study protocol for a randomised controlled trial. Trials. 2016 Nov 24;17(1):559. PubMed PMID: 27881152; PubMed Central PMCID: PMC5121933.
 

Projekte medizinischer Doktoranden:innen

Dr. med. Michael Spacek

Verlauf und Prädiktoren von chronisch kritisch kranken Patienten:innen nach akuter Nierenschädigung mit prolongierter Dialysepflichtigkeit (2015)

Die Studie beschreibt den Verlauf der renalen Rekompensation nach Dialysepflicht für chronisch kritisch kranke Patienten:innen in der Postakutphase. Die Studienergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Dialyseauslassversuche auch Monate nach einer AKI in einer spezialisierten Einrichtung möglich sind. Bei 20 % der Patienten:innen mit erfolgreichem Dialyseauslassversuch (welcher bei insgesamt 33 % aller Patienten:innen in der Studie erfolgreich war) gelang die renale Rekompensation erst mehr als 3 Monate nach der Manifestation der dialysepflichtigen akuten Nierenschädigung (AKI). Die zeitliche Dauer der renalen Rekompensation unterscheidet sich zwischen den Patienten:innen mit und ohne vorbestehende chronische Niereninsuffizienz (CKD) nicht. Die Ursache der Dialysebehandlung, wie z. B. eine Sepsis, ein chirurgischer Eingriff, eine Reanimation, sowie Risikofaktoren, wie z. B. Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Atherosklerose ect., zeigten im multivariaten Hazard-Modell für die Entwöhnung der Patienten:innen von der Dialyse keinen statistisch signifikanten Einfluss. Lediglich das Alter der Patienten:innen beeinflusste die Entwöhnung von der Dialyse bei chronisch kritisch kranken Patienten:innen statistisch signifikant.

Mehr Informationen finden sie hier.
 


Dr. med. Christian Prautzsch

Komplikationen und Prädiktoren bei Patienten:innen mit perkutan endoskopischer Gastrostomie in der post-akuten Versorgung (2018)

Die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) ist ein seit Jahren etabliertes Verfahren zur Sicherung einer künstlichen enteralen Ernährung bei Patienten:innen mit bestehender dauerhafter Dysphagie. Bislang kaum beschrieben sind Komplikationsraten wie auch Risikofaktoren für Komplikationen der PEG-Sondenanlage bei chronisch kritisch kranken Patienten:innen in der post-akuten Behandlung. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Komplikationsraten bei dieser Patientengruppe zu beschreiben sowie Risikofaktoren für Komplikationen nach PEG-Sondenanlage zu ermitteln und ein Modell zur Prävention zu erarbeiten. Insgesamt wurden 581 chronisch kritisch kranke Patienten:innen im Zeitraum 2012-2014 eingeschlossen. Es fand sich ein statistischer Zusammenhang zwischen Stichkanalinfektion und der Tiefe des Stichkanals sowie dem Auftreten von Blutung und dem Patientengewicht. Bei niedrigem Albuminstatus fand sich ein erhöhtes Risiko für alle Minorkomplikationen. Es fand sich allerdings kein erhöhtes Risiko für Komplikationen bei PEG-Anlage mit therapeutischer Antikoagulation, mit laufender Gabe von Thrombozytenaggregationshemmern oder bei Therapie mit Protonenpumpenhemmern. Die vorliegende Arbeit beschreibt somit erstmals auf der Basis von 501 chronisch kritisch kranken Patienten:innen ein Risikofaktorenmodell für Komplikationen nach PEG-Anlage.

Preise und Auszeichnungen

2018 - Bauer-Rehabilitationspreis


Der renommierte und in der Rehabilitation einer der bedeutendsten Preise, der H. J. Bauer-Rehabilitationspreis, wurde am 6. Dezember 2018 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für neurologische Rehabilitation an Professor Jan Mehrholz verliehen.
Der Bauer-Rehabilitationspreis wird seit 2000 für hervorragende Leistungen in der Betreuung von Menschen mit chronischen Krankheiten des Nervensystems an eine Person, eine Institution, eine Forschergruppe oder eine Klinik verliehen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für neurologische Rehabilitation (DGNR) ehren mit diesem Gemeinschaftspreis in allen Jahren mit gerade Jahreszahl besondere Verdienste in der Medizin. Das Preiskuratorium setzt sich aus je vier vom Vorstand der DGN und DGNR bestimmten Mitgliedern zusammen.

2017 - Forschungs- und Innovationspreis der Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (GfR) e.V.

Seit 2016 lobt die Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e. V. den Forschungs- und Innovationspreis aus. Ein Jahr später bewarb sich das Institut für Rehabilitationsforschung der KLINIK BAVARIA Kreischa mit einer wissenschaftlichen Studie zur systematischen Übersichtsarbeit nach Cochrane zur Neurorehabilitation nach einem Schlaganfall (Electromechanical-assisted training for walking after stroke) und gewann damit den zweiten Preis.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Jan Mehrholz

Wissenschaftlicher Leiter
der Forschungseinrichtung der KLINIK BAVARIA Kreischa

+49 35206 6-2054
E-Mail

0800 57347242
(gebührenfrei)