Comprehensive Sepsis Center

Die Sepsis als komplexes, prinzipiell lebensbedrohliches Krankheitsbild bedarf einer eng abgestimmten fachübergreifenden Behandlung. Doch für die Therapie der schweren Blutvergiftung und deren Folgen gibt es bisher keine entsprechenden Behandlungszentren. Das steht im deutlichen Gegensatz zur Versorgung von Krebskranken oder Schlaganfallpatienten:innen, für die viele Kliniken bereits entsprechende Strukturen etabliert haben. Das Dresdner Uniklinikum und die KLINIK BAVARIA Kreischa wollen hier eine Wende einleiten. 

Derzeit gibt es weltweit keine integrierten Behandlungsangebote für die Zeit nach der intensivmedizinischen Akutbehandlung, also für die Therapie der Sepsisfolgen. Da diese Erkrankung nahezu alle Organsysteme umfassen kann, sind gerade hier spezifische Behandlungsangebote und -konzepte besonders wichtig. Diese sind seit Jahren in der Klinik in Kreischa vorhanden. Es ist daher – im Sinne der Patienten:innen – geboten, dass die beiden Partner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und die KLINIK BAVARIA Kreischa ihre Kompetenzen bündeln und dieses gemeinsame Behandlungsangebot für die Patienten:innen schaffen.

Damit wollen sie neue Maßstäbe bei der Versorgung von Patienten:innen mit einer schweren, sich über die Blutbahn ausbreitenden Infektion (Sepsis), setzen. Das Zentrum startete nach einer Pilotphase im Herbst 2019 und will die Überlebensrate von Sepsis-Patienten:innen erhöhen, die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und einen Beitrag in der Forschung in diesem Bereich leisten. 

Die Initiatoren des Zentrums erwarten sich neben einer Qualitätsverbesserung auch eine verkürzte Aufenthaltsdauer in Akut- und Rehakliniken sowie eine Reduktion der stationären Wiederaufnahmen. Die Arbeit des Comprehensive Sepsis Center wird wissenschaftlich begleitet und unterzieht sich einem fortlaufenden Qualitäts-Management-Prozess.

Sepsis – ein medizinischer Notfall

Bei einer Sepsis wehrt sich das Immunsystem so intensiv gegen eine sich über die Blutbahn ausbreitende Infektion, dass es zu massiven Schäden am körpereigenen Gewebe kommt. Im schlimmsten Fall führt dies zum lebensgefährlichen Organversagen. Allein in Deutschland erleiden jährlich 150.000 Menschen eine Sepsis – mit steigender Tendenz bei Schweregrad und Gesamtanzahl. In mehr als einem Drittel der Fälle sterben die Patienten:innen an der schweren Infektion selbst oder an deren Folgen. Aufgrund dieser hohen Sterblichkeit stehen die Ärzte:innen unter dem hohen Druck, die Sepsis schnell zu erkennen und zu behandeln. Zudem machen die sehr unterschiedlichen Ursachen, die zu dieser schweren Infektion führen können, eine fachübergreifende Betreuung der Patienten:innen notwendig.

Die Komplexität der Sepsis führt dazu, dass viele der davon Betroffenen über Wochen auf einer Intensivstation liegen müssen. Hier können sie künstlich beatmet, zum Teil aber auch dialysiert oder mit dem ECMO-Verfahren versorgt werden. Dabei reichern die Intensivmediziner:innen das Blut des bzw. der Patienten:in außerhalb des Körpers mit Sauerstoff an.

Der Weg zurück nach Sepsis

Auch nach überstandener Sepsis ist es für Ärzte:innen, Therapeuten:innen und Pflegende eine große Herausforderung, den Betroffenen den Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben zu ebnen. Nach der Entwöhnung von Organersatzverfahren müssen sich viele der Patienten:innen alltägliche Dinge wie Gehen, Schlucken oder Sprechen neu aneignen. Halbjährige Aufenthalte in Reha-Kliniken sind dabei keine Seltenheit. Auch die Zahl derjenigen, die danach pflegebedürftig bleiben, ist sehr hoch.

Ansprechpartner

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Prof. Dr. med. Thea Koch

+49 351 4584-110

Webseite

KLINIK BAVARIA Kreischa

Intensivmedizin und Intensivrehabilitation
Chefarzt Dr. med. Ulf Bodechtel

+49 35206 6-2054

0800 57347242
(gebührenfrei)