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Klinik Bavaria Kreischa
Klinik Bavaria
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SELBSTHILFE FÜR APHASIKER

 

Heraus mit der Sprache

Von Thomas Morgenroth
Sächsische Zeitung
Montag, 7. März 2005

In der Bavaria-Klinik Kreischa wird am 9. März ein Kommunikationszentrum für Aphasiker und Angehörige eröffnet.

Darauf hatte er sich lange gefreut: Im Herbst des Jahres 2000 sollte der Dresdner Journalist Helmut Teichmann nach Korea reisen, das ZDF hatte eine Reportage über das geteilte Land in Auftrag gegeben. Teichmann war bis 1990 Philosophie-Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und hatte in seinem neuen Beruf seine Berufung gefunden. Aber aus der Reise nach Korea wurde nichts, und als Journalist kann Teichmann nie wieder arbeiten: Im Oktober 2000 erlitt der damals 52-Jährige einen schweren Schlaganfall.

"Ich saß im Rollstuhl und konnte nicht einmal mehr Mama sagen", erinnert er sich. Der Blutmangel im Gehirn führt zu Lähmungen und zu einer Störung des Sprachzentrums. Teichmann hatte dabei noch Glück. Heute, nach mehr als vier Jahren, kann er wieder beinahe fehlerfrei sprechen; manche Wörter zu formulieren, bereitet ihm aber nach wie vor Mühe. Schwieriger ist es mit dem Schreiben, das geht nur sehr langsam.

Helmut Teichmann ist ein Aphasiker - und Invalide, eine schmerzhafte Erkenntnis. "Das ist das Schwerste: Sich einzugestehen, dass das Leben nie mehr so sein wird, wie es war", sagt Teichmann. Trotz aller Therapien: "Es wird nicht immer aufwärts gehen, irgendwann ist Schluss." Er hat sein Schicksal angenommen, aber Untätigkeit ist ihm ein Gräuel. Teichmann, der auch Soziologe ist, hat seine eigene Krankheit wissenschaftlich untersucht und analysiert. Seine Erkenntnisse helfen anderen: Gemeinsam mit dem Klinischen Linguisten (Sprachwissenschaftler) Frank Ostermann aus Dresden gründete er im Sommer 2001 eine Selbsthilfegruppe für Aphasiker, finanziell unterstützt von der Bavaria-Klinik Kreischa.

Es ist Teichmanns neuer Beruf und seine neue Berufung: Nirgendwo sonst in Deutschland berät ein Aphasiker andere Aphasiker. Er schafft es, die teilweise schwer behinderten Betroffenen aus ihrer Lethargie zu holen, gibt ihnen und vor allem auch ihren Angehörigen neue Hoffnung. "Bei einem Beinbruch hat der Patient das Problem. Bei der Aphasie haben auch die Angehörigen das Problem", erklärt er. Es ist ein Kommunikationsproblem: Viele Aphasiker können weder lesen noch schreiben noch sprechen. "Aber sie sind deshalb nicht geistig behindert", sagt Teichmann. "Aber viele Ärzte behandeln Aphasiker, als wären sie minderbemittelt."

Broschüren entstanden und ein Film: "Wir wollen mitreden" und "Heraus mit der Sprache". Für Helmut Teichmann nur ein Anfang: Er will das Wissen der Betroffenen mit dem der Therapeuten vereinen. Der Wissenschaftler in ihm und seine Erfahrungen verlangen nach neuen Methoden der Selbsthilfe. Er versteht nicht, dass es in keiner einzigen Universität oder Hochschule Deutschlands einen Lehrstuhl zu diesem Thema gibt. Das ist ein Ziel, das Teichmann bis zu seiner Altersrente erreichen will. Zunächst aber ergänzt er die Selbsthilfegruppe um ein Kommunikations- und Informationszentrum für Aphasiker und Angehörige: Eröffnung ist am Mittwoch in der Bavaria-Klinik.

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