Willkommen | Aktuelles | Kontakt | Impressum | Infomaterial 
Imagefilm | Stellenangebote/Ausbildung | Links | Glossar
Klinik Bavaria Kreischa
Klinik Bavaria
youtube Twitter Empfehlung Google Facebook
Therapiebereiche Physiotherapie / Krankengymnastik Physikalische Therapie Sporttherapie Ergotherapie Logopädie Ernährungsberatung Klinische Psychologie Neuropsychologie Sozialdienst

SELBSTHILFE FÜR APHASIKER

 

Broschüre "Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Selbsthilfebewegung der Aphasiker" -- Eine Denkschrift


die Autoren:


Dr. Erich Rieger: promovierter Jurist, erlitt 1972 einen Reitunfall.
Ein Teil des Sprachzentrums des damals 37-Jährigen musste operativ entfernt werden. Bereits einige Jahre später begann er in der Selbsthilfebewegung der Aphasiker zu arbeiten. Von 1992 bis 2001 war er Geschäftsführer des Bundesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. Daneben baute er ehrenamtlich eine Vielzahl von Aphasiker-Zentren auf. Noch heute arbeitet er aktiv im Vorstand der Aphasiker-Zentren Oberfranken und Südwestsachsen und in den Selbsthilfegruppen in Franken und Sachsen mit. Seine Arbeit für die Aphasiker wurde 1999 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt. Würzburg, April 2008

Prof. Dr. habil. Helmut Teichmann war Professor für Philosophie und freier Journalist.
Er erlitt im Herbst 2000 einen Schlaganfall mit Aphasie und leitet seit 2001 das Kommunikations-und Informationszentrum für Aphasiker und Angehörige in Kreischa bei Dresden. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des BRA und wurde im Mai 2007 zum Ehrenmitglied des Bundes Klinischer Linguistik e.V. ernannt.

Die Broschüre enthält die Artikel:
Dr. Erich Rieger: "Erfahrungen aus 30 Jahren Selbsthilfearbeit als Aphasiker"
Prof. Dr. habil. Helmut Teichmann: "Auf welche gesellschaftlichen Problemfelder muss sich die Selbsthilfe der Aphasiker in Gegenwart und Zukunft objektiv ausrichten? - ein überblick" mit einem Vorwort von Prof. Dr. Walter Huber und Dr. Luise Springer:

Vorwort

In der von Dr. Rieger und Prof. Teichmann vorgelegten Denkschrift geben zwei prominente Vertreter der deutschen Aphasie-Selbsthilfebewegung eine kritische Bestandaufnahme und entwickeln Visionen, aber auch Bedenken für die zukünftige Entwicklung. Die Argumente überzeugen stark, natürlich auch deshalb, weil beide selbst von Aphasie betroffen sind und trotz sehr guter Rückbildung immer noch durch Restfolgen der Aphasie eingeschränkt sind.
Beispielsweise benötigen sie für die schriftliche Formulierung immer noch Assistenz. In ihren inhaltlichen Aussagen sind beide Gestalter und Vordenker. Dr. Rieger hat als Vorsitzender und Geschäftsführer des Bundesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker und später als Gründer der Aphasiestützpunkte herausragende Verdienste erworben.
Prof. Teichmann hat als Gründer und Leiter eines klinischen Beratungszentrums Einfluss auf die Aphasiebewegung gewonnen und setzt sein theoretisches Fachwissen für die Analyse und Fortentwicklung der Selbsthilfe nachhaltig ein.
Die in der Denkschrift wiedergebenen Positionen müssen wir als Therapeuten und klinische Forscher nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern unsere herkömmliche professionelle Bewertung der Selbsthilfe kritisch hinterfragen. Sicherlich sind die Zeiten, wo Selbsthilfe als ein engagiertes "Kaffee-trinken" eingestuft wurde oder wo Selbsthilfegruppen vorrangig als Aufgabe von Sprachtherapeuten betrachtet wurden, in Deutschland seit den 90er Jahren überwunden.

Zum einen hat sich die Sichtweise des Klassifikationsschemas der WHO etabliert, wonach neben der durch die Krankheit direkt verursachten körperlichen Schädigungen die soziale Teilhabe der Betroffenen in das Zentrum der Rehabilitation gerückt ist. Dies ist bei Schädigungen der Sprachfunktionen des Gehirns besonders greifbar, da das innere Sprachwissen, die verschiedenen sprachlichen Aktivitäten und die Kommunikation eng miteinander verwoben sind.

Deshalb muss moderne Sprachrehabilitation immer alle drei Aspekte berücksichtigen: Sprachschädigung, Einschränkungen von Laut- und Schriftsprache und kommunikative Barrieren in der sozialen Teilhabe.

Zum andern wurde in Deutschland mit der Modifikation der Sozialgesetzgebung (SGB IX) der gesellschaftliche Wille bekundet, dass Menschen mit Behinderungen ein Recht auf barrierefreie Teilhabe am sozialen Leben haben und dass dafür besondere gesundheits- und sozialpolitische Anstrengungen notwendig sind. Die Selbsthilfe bekommt dabei einen wichtigen und teilweise neuen Stellenwert. Wichtig ist der partnerschaftliche Ansatz. Das bedeutet, dass in der Selbsthilfe für Aphasiker, möglichst viele Aufgaben und Positionen für die Betroffenen selbst trotz gestörter Sprache! gefunden werden.

Professionalisierung der Selbsthilfe wird nur dann erreicht, wie Prof. Teichmann und Dr. Rieger betonen, wenn Aphasikerinnen und Aphasiker selbst inhaltlich und organisatorisch aktiv werden. Menschen mit Aphasie können Experten der Aphasie sein, auch wenn sie dabei von Sprachgesunden unterstützt werden.

Aktive Auseinandersetzung mit der Krankheit und ihren Folgen bestimmt die Rehabilitation von Anfang an. Betroffene und Angehörige möchten so früh wie möglich in den Rehabilitationsprozess mit einbezogen sein. Professionelle Helfer sollten motiviert und fähig sein, den Dialog in der Selbsthilfe zu führen.
Die Mehrzahl aphasischer Menschen verfügt trotz gestörter Sprache über vielfältige Möglichkeiten, Gedanken, Gefühle und Wünsche mitzuteilen und zu verstehen. Sie können das eigene Potential für andere nutzbar machen.

Die Verfasser der Denkschrift und viele andere in der Selbsthilfe engagierte Menschen mit Aphasie haben wir in Diskussionen und gemeinsamen Aufgaben als Partner und Experten erlebt.

Aachen, März 2008 Walter Huber und Luise Springer

Diese Broschüre kann bestellt werden unter folgender Mailadresse: christl.eisele@arcor.de