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Klinik Bavaria Kreischa
Klinik Bavaria
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ONKOLOGIE UND HÄMATOLOGIE

 

Rehabilitation von Prostatakarzinompatienten

Unterschiedliche Therapiestrategien - Operation, Bestrahlung, Hormontherapie sowie verschiedene palliative Behandlungen führen zu einer Reihe spezifischer Funktionsstörungen und Leistungsdefizite bei Männern, die an einem Prostatakarzinom erkrankt sind. Am effektivsten können diese im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme reduziert oder behoben werden.

Behandlungskonzept

Etwa 800 an einem Prostatakarzinom erkrankte Männer werden pro Jahr im Rahmen der stationären Rehabilitation in unserer Klinik behandelt. In Abhängigkeit vom bestehenden Schädigungsmuster erarbeiten wir gemeinsam mit dem Patienten ein seinen Funktionsstörungen entsprechendes und mit den Ressourcen der Klinik abgestimmtes Therapieprogramm. Verschiedenste Probleme und Komplikationen des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms (Harntransportstörungen, Entgleisung des Elektrolyt - und Säure - Basen - Haushaltes, systemische u. U. opiatpflichtige Schmerztherapie, Hilfsmittelversorgung, Klärung der häuslichen Versorgung usw.) werden in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtungen (Onkologie, Urologie, Orthopädie, Neurologie), Psychologen, Sozialarbeitern und natürlich Pflegekräften und Therapeuten gelöst und behandelt.

Therapieschwerpunkte

Nahezu alle Männer mit therapiertem Prostatakarzinom klagen bei Aufnahme über ein körperliches Leistungsdefizit, welches aus der langen Behandlungsdauer, einer vorhergehenden Krankenhausbehandlung mit Immobilisierung oder den Nebenwirkungen systemischer Therapien (Hormontherapie, evt. Chemotherapie) resultiert.

Dazu erfolgt im Rahmen der Sporttherapie die Konditionierung aller geeigneten Patienten in Kleinsportgruppen, der medizinischen Trainingstherapie sowie dem Fahrradergometertraining mit dosierter körperlicher Belastung - in diesem Falle idealerweise in liegender Position. Ausgeschlossen werden muss selbstverständlich bei fortgeschrittenen oder bekannt metastasiertem Tumorleiden eine Frakturgefährdung betroffener Skelettabschnitte.

Ca. 90% aller Männer, die kurz (bis 6 Wochen) nach der radikalen OP des Prostatakarzinoms zur Rehabilitation gelangen, beklagen eine temporäre Harninkontinenz. Etwa 75% dieser Patienten klagen dabei über eine Inkontinenz II° oder III° bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4,1 mittelgroßen Inkontinenzvorlagen pro Tag.

Wie publizierte Studien (Van Kampen et al., Lancet 2000 Jan 8; 355 (9198): 98 - 102) belegen, kann die Dauer und der Schweregrad der Inkontinenz durch eine frühzeitige Beckenbodenrehabilitation erheblich beeinflusst werden.

Neben einer optimalen Vorlagenversorgung ist deshalb das Erlernen und die Durchführung eines effektiven Sphinktertrainings Schwerpunkt unserer Behandlung. Gezielt wird dabei die Funktion und der Aufbau der Beckenbodenmuskulatur erläutert und Kontraktionen unter Kontrolle und Hilfestellung des Therapeuten geübt. Schwerpunkt ist das Erreichen einer suffizienten Beckenbodenkontraktion ohne wesentliche Bauchmuskelanspannung.

Zusätzlich kann ein apparatives Kontinenztraining mit einem EMG - Biofeedbackgerät in das Therapiekonzept integriert werden. Dazu erfolgt die Einweisung in die Bedienung und Handhabung des Gerätes sowie die Vermittlung eines aus drei Teilen bestehenden Übungsprogramms durch einen Therapeuten oder Arzt. Wir legen dabei vordergründig auf das Erlernen feinmotorischer Abläufe sowie Ziel -und Halteübungen Wert, weniger auf ein reines Krafttraining, um gestörte Reflexbahnen zwischen ZNS und Sphinkterorgan bzw. Harnblase nach der OP effizient zu trainieren.

Als Folge der Operation oder Bestrahlung besteht in vielen Fällen eine erektile Dysfunktion, ca. 50 % dieser Patienten wünschen bereits währen der stationären Rahabilitation eine Beratung und ggf. Therapie, die in unserer Klinik in enger Zusammenarbeit mit dem urologischen Konsilarius realisiert werden kann. Eingesetzt und getestet werden alle zugelassenen konservativen Behandlungsmethoden - SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie), verschiedene Vakuumpumpensysteme und auch bei erektionsprotektiver Operation Sildenafil.

GRAFIK?

Erfolge

Mit unserem Behandlungskonzept ist es möglich bei etwa 80% der betroffenen Männer im Rahmen des Klinikaufenthaltes die Harninkontinenz deutlich zu reduzieren oder bei primär geringer Tropfinkotinenz eine vollständige Kontinenz zu erreichen. Die Zahl der benötigten Vorlagen nimmt dabei im Durchschnitt - alle inkontinenten operierten Männer berücksichtigt - von 4,1 auf 2,6/24h ab.

Liegt die Operation länger als ein Jahr zurück, ist im allgemeinen eine dann noch bestehende Inkontinenz ohne operativen Eingriff nicht mehr zu heilen. Dennoch ist es auch in diesem Falle möglich, die Beschwerden bei ca. 50% der betroffenen Patienten durch unser intensives Behandlungsprogramm zu mildern.

Informationen zu Tumorerkrankung, therapeutischen Optionen und ihren Nebenwirkungen

Dem hohen Informationsbedarf nach Therapie des Prostatakarzinoms wird in einer zweiteiligen Gesprächsrunde ausführlich Rechnung getragen. In der Gruppe werden Informationen zur Tumorerkrankung sowie den therapeutischen Optionen und ihrer Nebenwirkungen vermittelt. Breiten Raum nimmt dabei die Therapie der Harninkontinenz sowie der erektilen Dysfunktion ein.

Therapiemöglichkeiten zu Letzterem werden im Rahmen der konsiliarischen urologischen Untersuchung auf Wunsch angeboten und ggf. getestet.

Begleitend zum therapeutischen Programm werden vielfältige Informationen zur Krebsentstehung, der sekundären Prävention, dem Einsatz alternativer Heilmethoden sowie der Krebsverarbeitung angeboten, um über Kenntnisvermittlung, die Behandlungsmotivation und - compliance sowie die Eigenverantwortung zu stärken.

Psychologische Mitbetreuung

Begleitet wird das gesamte Behandlungsprogramm durch Psychoonkologen, die neben Entspannungstechniken begleitende Gesprächstherapien zur emotionalen Entlastung und bewältigungsorientierte Einzel- und Gruppengespräche anbieten.

Zur Verstärkung individueller Krankheitsbewältigungsressourcen tragen vielfältige kreativtherapeutische Angebote wie z.B. die Tanz-, Musik- und Kunsttherapie bei. Die Freude an den Gestaltungen und den selbst gefertigten Produkten ist eine weitere Möglichkeit, das Selbstvertrauen zu steigern und die krankheitsbedingte Lebenssituation aus eigener Kraft zu bewältigen sowie neue Impulse zur positiven Gestaltung der Alltagssituation zu erfahren und letztendlich Lebensqualität zu gewinnen.

Wiedereingliederung in Beruf und Alltag

Bei Bedarf wird durch den Sozialdienst die berufliche Wiedereingliederung vorbereitet oder die Unterstützung im häuslichen Umfeld organisiert. Informationen und Hilfestellungen bei der Beantragung eines SBA, einer Rente oder einer Pflegestufe ergänzen das sozialmedizinische Angebot.

Um den Erfolg dieses individuell angepassten Rehabilitationsprogramms zu garantieren ist eine enge Kooperation zwischen Patient, Arzt, Therapeut und Pflegekräften während des gesamten Rehabilitationsverlaufs gewährleistet. Damit glauben wir den Erwartungen und Wünschen von Patienten mit einem Prostatakarzinom gerecht zu werden und einen großen Beitrag zur sozialen und beruflichen Rehabilitation zu leisten.

 

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