Willkommen | Aktuelles | Kontakt | Impressum | Infomaterial 
Imagefilm | Stellenangebote/Ausbildung | Links | Glossar
Klinik Bavaria Kreischa
Klinik Bavaria
youtube Twitter Empfehlung Google Facebook
Medizinische Fachbereiche Neurologie und fachübergreifende
Rehabilitation
Neurologie / Neuroonkologie Neurologie/ Neurokognition Kardiologie / Angiologie Onkologie / Hämatologie Orthopädie / Traumatologie /
Zentrum für Querschnittgelähmte
Psychotherapie / Verhaltensmedizin Innere Medizin / Diabetes /
Stoffwechsel und Endokrinologie
Zentrum für frührehabilitative und rehabilitative Wundtherapie (ZFRW) Urologie HNO / Phoniatrie Nephrologie / Dialyse Medizinisches Zentrum für Arbeit
und Beruf
Unfallversicherung Pflege

ONKOLOGIE UND HÄMATOLOGIE

 

Rehabilitation von Magenkarzinompatienten

Aufgrund häufigerer Diagnostik von Frühkarzinomen und verbesserter intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeiten sind in den letzten 20 Jahren sowohl der quantitative Rehabilitationsbedarf als auch die qualitative Rehabilitationsbedürftigkeit nach Operation eines Magenkarzinoms gewachsen. Betrachtet man die Zahlen der gastroenterologischen Rehabilitation in der Klinik Bavaria, so wurden 1996 ca. 80 Patienten nach Gastrektomie rehabilitiert, 2004 lag diese Zahl bei 130 Patienten.

Nach teilweiser oder kompletter Entfernung des Magens treten neben allgemeiner körperlicher Schwäche und Narbenbeschwerden erhebliche Störungen der Nahrungsaufnahme und Nährstoffresorption auf. Durch das Wissen um die Tumorerkrankung, den postoperativ meist anhaltenden Gewichtsverlust bei Übelkeit, Brechreiz und Durchfällen sind die Betroffenen vor allem auch in ihrem psychischen Wohlbefinden sehr beeinträchtigt. Fehlende Informationen zum operativen Vorgehen mit den daraus resultierenden Defiziten der Verdauungsfunktion und zum angepassten Ernährungsregime bestärken Angstgefühle und emotionale Labilität.

Schwerpunkt unserer Rehabilitation sind neben der Anleitung zur Narbenpflege und narbengerechtem Verhalten und dem körperlichen Konditionstraining die subtile Ernährungstherapie unter Einbeziehung der Lehrküche.

Ein ganztägiges Seminar für Patienten nach Gastrektomie und ihre Angehörige ist darauf ausgerichtet, mit dem Patienten in der Gruppe gleichbetroffener die anatomischen und physiologischen Ursachen der Funktionsdefizite zu erarbeiten und damit die Möglichkeiten der Linderung des Beschwerdekomplexes durch spezielles Verhalten und diätetische Maßnahmen zu erschließen. Dazu wird folgendes Tagesprogramm absolviert:

  1. gemeinsames Frühstück
  2. Gesprächsrunde Patient - Arzt - Psychologe mit Vorstellung der Patienten, Schilderung der individuellen Beschwerdebilder, Erkenntnisvermittlung zu Bau und Funktion unseres Verdauungstraktes, Ableitung der Ursachen der geschilderten Beschwerdebilder und Vorstellung geeigneter Verhaltens- und diätetischer Maßnahmen sowie erforderlicher medikamentöser Therapie Gesprächsleiter: Arzt Onkologie/Psychologe
  3. Zwischenmahlzeit
  4. gemeinsame Zubereitung des Mittagessens als Magenschonkost in der Diätlehrküche
    Anleitung durch Diätassistenten
  5. gemeinsames Mittagessen
  6. Vorstellung einer Entspannungstherapie
    Leiter: Psychologie
  7. Mittagsruhe der Patienten
  8. gemeinsame Zwischenmahlzeit
  9. Patienten-Therapeuten-Gespräch mit Vorstellung der adäquaten Narbenpflege, narbenschonender Bewegung, Möglichkeiten zur körperlichen Konditionierung, Vorstellung "Hausmitteln" bei Verdauungsbeschwerden, Vorstellung sinnvoller Hilfsmittel
    Gesprächsleiter: Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten
    Ein Getränkewagen begleitet die Patientengruppe während des Tagesprogramms und motiviert zur ausreichenden Flüssigkeitszufuhr zwischen den Mahlzeiten.

    Bei Bedarf trifft sich die Patientengruppe nach 7 Tagen erneut in der Diätlehrküche zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken, bei welchem noch ungeklärte Fragen durch Diätassistenten und Arzt besprochen werden können.

Zur erforderlichen Kräftigung der Rumpf- und Bauchmuskulatur einschl. zu Narben schonenden Bewegen werden die Patienten geschult und im weiteren Rehabilitationsaufenthalt einzel- und gruppentherapeutisch trainiert.

Mit dem Ziel der aktiven Krankheitsbewältigung und Erschließung individueller Ressourcen werden Informationen zu adaptierten Entspannungstechniken nach Gastrektomie vermittelt.

Für Betroffene nach Magenoperation, die aktuell keinen Anspruch auf ein stationäres Rehabilitationsverfahren haben, wird durch ein Pauschalangebot unserer Einrichtung die isolierte Teilnahme an dem Magenseminar ermöglicht.

Therapieergebnisse

Am Ende eines ca. 26tägigen Rehabilitationsaufenthaltes gelingt es den durchschnittlich perioperativen Gewichtsverlust von 4,8 bis 16,8 kg in Abhängigkeit der OP-Methode und des zeitlichen Abstandes zum OP-Tag zu stoppen. Die Bodymaßindex am Aufnahme- und Entlassungstag weisen trotz des muskulären Konditionierungsprogramms keine signifikanten Unterschiede auf. Nausea und Erbrechen treten in den Hintergrund. Die gezielte Unterstützung der Fettverdauung durch medikamentöse und diätetische Maßnahmen führt insbesondere nach totaler Gastrektomie zu einer Minderung der Stuhlfrequenz um 71 %.

Flankierend werde eine Normalisierung der Stuhlkonsistenz und Stuhlfarbe beobachtet.

Wurde im postoperativen Intervall von max. 100 Tagen nach totaler Gastrektomie lediglich bei 5 % der Patienten eine Pankreasenzymsubstitution eingeleitet, so verlassen nach AHB 92 % unserer Patienten mit einer adaptierten Enzymsubstitution unsere Einrichtung.

Neben der Linderung der Postgastrektomiesymptomatik tragen kreativtherapeutische Angebote, begleitende psychologische Gesprächsangebote und das Erlernen von Entspannungstechniken zur Verstärkung individueller Krankheitsbewältigungsressourcen bei. Dabei wird auf die Vermittlung von "Hilfe zur Selbsthilfe um wieder auf die Beine zu kommen" orientiert.

Erfahrungsgemäß werden die angebotenen Informationen in Arzt- und Therapeutengesprächen sowie Patientenseminaren und aktivierenden Therapien von unseren Patienten sehr motiviert und dankbar angenommen. Sie leisten einen maßgeblichen Beitrag im erfolgreichen Rekonvaleszenzverlauf nach Operation eines Magenkarzinoms und müssen einen unverzichtbaren Baustein in der postoperativen Nachsorge dieser Patientengruppe darstellen.

<< zurück